Schule vor 100 Jahren

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Gestern am Karnevalsdienstag verkleideten wir uns, die Klassen 4a und 4c und unsere Lehrerinnen wie vor 100 Jahren und spielten Schule.

Das war ziemlich lustig und auch anstrengend. Wir mussten zur Begrüßung des Lehrers aufstehen und ihn im Chor begrüßen. Jeder Schüler musste seine Hände auf den Tisch legen und unsere Lehrerin kontrollierte, ob unsere Fingernägel gut schnitten und sauber sind.

Wer keine sauberen Hände hatte, musste sie sich erst waschen. Dann wurde die Klassenordnung von vor 100 Jahren vorgelesen. Da stand, dass jeder Schüler ordentlich sitzen musste, Hände geschlossen auf dem Tisch, Füße genau nebeneinander auf den Boden und alle mussten den Lehrer fest in die Augen sehen.

Sprechen, Lachen, Flüstern, Umhergaffen, Hin- und Herrücken und Herumlaufen waren verboten. Es gab auch eine genaue Anleitung, wie und mit welchem Finger man aufzeigte und ihn mit dem Ellenbogen abstützte.

Schulbücher wurden auf Kommando herausgeholt und weggeräumt: Auf „eins“ nehmen die Kinder das Buch. Auf „zwei“ heben sie das Buch auf den Tisch und auf „drei“ blicken sie dem Lehrer wieder fest in die Augen. Zunächst übten und spielten wir dies nach. Es war lustig, aber auch anstrengend.

Die Lehrerin schimpfte, wenn ein Schüler sprach oder nicht ordentlich schrieb und drohte mit dem Rohrstock. Manchmal musste einer in der Ecke stehen. Dann durften wir unsere Kleidung einzeln vorstellen. Die Mädchen trugen Röcke, Strickkleider, Schürzen und hatten sich zum Teil kunstvolle Frisuren geflochten und in die Zöpfe dicke Schleifen gesteckt. Einige trugen eine Schürze.

Die Jungen hatten eine lange Hose mit Hosenträgern oder eine Lederhose an, dazu ein weißes Hemd und eine Kappe. Alle durften ihre Verkleidung vorstellen. Dann kam Frau Weegen-Martin mit ihrer Klasse zu Besuch in die Klasse 4a und „schaute nach dem Rechten“, wie sie meinte. Schließlich sollte es ja recht sittsam zugehen in der Schule. Zufrieden mit dem Anblick und dem Benehmen ging sie dann wieder.

Wir durften dann alle in der alten Schule im Flur Platz nehmen und spielten auch dort Schule vor 100 Jahren nach. Der Clou war, dass dann einige Schüler den Lehrer spielen durften und Frau Wevers Schülerin war. Der neue Lehrer hatte da alle Hand zu tun, denn besonders die Schülerin Fräulein Wevers benahm sich ganz und gar nicht sittsam!

Da quatschte sie, hampelte herum, stahl eine Jungenkappe und warf sie in den Raum und wurde prompt von einem Schüler beim Lehrer verpetzt. Zur Strafe musste sie in die Ecke, wo sie schluchzend stand. Nichtsdestotrotz drohte sie dem Petzer dann noch Prügel an, wenn Pause ist! Na sowas! Das geht ja gar nicht!

Später sahen wir uns noch Bilder an von alten Schulen mit all den alten Gegenständen und von Schülern und Lehrern und wir erfuhren, dass früher die Kinder oft viele Kilometer zu Fuß, im Sommer auch ohne Schuhe gehen mussten. Wenn es zu kalt war, wärmten sich die Kinder die nackten Füße sogar freiwillig in Kuhfladen! Außerdem mussten sie im Winter jeder ein Stück Holz mitbringen, so dass der Schulofen immer geheizt werden konnte.

Dann sollten wir einen Text in Sütterlin, der alten Schreibschrift erlesen! Das sah wirklich seltsam aus. Und natürlich schrieben wir ebenfalls etwas in Sütterlin, das musste dann unsere Lehrerin lesen!

Später sammelten wir noch Spiele, die man früher gespielt hatte wie Murmelspiel, Hüpfkästchen, Fingertwist, u. a. und bastelten einfache Wollpüppchen und das Faltspiel „Himmel und Hölle“ sowie Fingertwist. Es war richtig schade, als der Tag dann vorbei war und wir nach Hause gehen mussten.

Klasse 4a und Klasse 4c